Warum Homeoffice nicht immer funktioniert

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Ein Kommentar aus dem Homeoffice von Martin Usdrowski, Teamentwicklungs-Coach

Die Welt im Ausnahmezustand. Viele Unternehmen bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Quarantäne, Kurzarbeit, Krise und Kredite. Viele fragen sich, wann all das vorüber ist und wann es endlich weitergeht. Und ob es überhaupt weitergeht. Und wenn es weitergeht, wie es dann weitergeht. In dieser unternehmerischen Unsicherheit bleibt scheinbar häufig nur eine rettende Alternative. Homeoffice heißt die Waffe, die bis zur – vermutlich nobelpreiswürdigen – Entdeckung des medizinischen Impfstoffs vielen Abhilfe verschaffen soll. So schallt es aus allen Ecken und Enden: Homeoffice. Doch wer darin ein Wundermittel für die Wirtschaft erkennen will, sollte sich der nüchternen, altbekannten Tatsache stellen: Wunder gibt es nicht. Wohl aber kann ein Blick auf die Fakten dem einen oder anderen künftig Impulse für die Zeit danach geben. Denn Vorsorge ist besser als Nachsorge und wenn es noch zwei Gewissheiten auf der Welt gibt, dann die: Fledermäuse wird es noch lange geben. Und Viren auch.

Homeoffice, Home-Office, das

Worüber aber sprechen wir eigentlich? Homeoffice, Remote Work, Telearbeit… Der Teufel in vier Wänden kennt viele Gesichter. Doch meinen alle Begriffe das gleiche? Und ist hier wirklich für jeden was dabei?

Zunächst der wörtliche Trendsetter in der Kategorie Corona und Business: Homeoffice. Kommt das Wort auch aus dem Englischen, ist es den meisten angloamerikanischen Unternehmern völlig unbekannt. Dort spricht man stattdessen von telecommuting oder telework. Nennt es die Wissenschaft zutreffender Teleheimarbeit, sagt man umgangssprachlich Homeoffice. Die Kernaussage bleibt, dass man sich das Büro nach Hause holt. Wie sang schon Hannes Wader: „Heute hier, morgen dort.“ Switcht man zwischen Büro und zu Hause, spricht man von alternierender Telearbeit. Und wem sowohl im Office als auch zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, der sollte den Architekten verklagen. Oder ein Sabbatjahr einlegen. Oder sobald die Corona-Pandemie vorüber ist einfach Remote Work probieren. Die in der Wissenschaft als mobile Telearbeit bezeichnete Variante zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass sie überall verrichtet werden kann – im Auto, am Flughafen oder beim Italiener Ihres Vertrauens. Laptop auf und ab gehts. Zoom und Spaghetti werden dann warten.

Netflix und Co. – Homeoffice braucht Regeln

Klingt Homeoffice aber zunächst wie die Erfüllung der absoluten Freiheit, braucht es dafür Regeln, Grenzen und die richtige Abstimmung mit der Chefabteilung, damit die Begeisterung auch länger als eine Woche anhält.

teamio Warum Homeoffice nicht immer funktioniertUm die nötige Disziplin zwischen Kindern, Partner und Netflix aufzubringen, macht es Sinn, dass man zu Beginn das Homeoffice zum Homeoffice macht. Mit dem aufgeklappten Laptop neben der Müslischale ist es nämlich nicht getan. Schon rein psychologisch gilt: Wenn ein Arbeitsplatz nach Arbeitsplatz aussieht, steigt die Disziplin. Ein eigener Raum, wenigstens aber ein abgetrennter Bereich helfen. Ausreichend Beleuchtung, der richtige Bürostuhl und festgelegte Pausen helfen ebenfalls. Zudem gilt: Lassen Sie sich von Familie und Freunden nicht ablenken. Generell ist es bei der Arbeit zu Hause wichtig, dem inneren Schweinehund ein Schnippchen zu schlagen. Ziehen Sie sich ruhig so an wie im Büro – auch das ist motivationssteigernd.

Die richtige Kommunikation mit der Firma ist das A und O. Klar, (Video-)Calls ohne Ende stapeln sich als Termine im Outlook. Sie sollten aber nicht darauf verzichten, sich mit den Kollegen auch abseits des Beruflichen auszutauschen. In Meetings via Zoom, Skype und Microsoft Teams also euch eine gemeinsame Kaffeepause einplanen. Ausprobieren – unbedingte Empfehlung!

Im Homeoffice wird keine Wertschöpfung erbracht – oder etwa doch?

Aber Hand aufs Unternehmerherz: Lohnt sich Homeoffice auch aus wirtschaftlicher Sicht? Jein. Es gilt als wissenschaftlich belegt, dass Chefsorgen vor einem faulen Lenz zu Hause unbegründet sind. Eine 13 % höhere Produktivität spricht für sich. Die Gründe dafür sind recht simpel: So wie es Fledermäuse inzwischen auch auf Wildtiermärkten gibt, gibt es auch Eulen und Lerchen nicht nur im Wald. Der menschliche Biorhythmus ist individuell unterschiedlich und eine angepasste Arbeitszeit trägt dem entsprechend Rechnung. Die lässt sich beim Homeoffice zwar leichter realisieren, aber Obacht: Ausschlafen bis mittags ist trotzdem nicht, schließlich gilt auch hier die nötige Erreichbarkeit für Kollegen, Kunden und Vorgesetzte. Dennoch kann die flexiblere Gestaltung familiären und persönlichen Umständen dienlich sein – etwa der Kinderbetreuung. Das zahlt sich aus: Homeofficeler sind häufiger langfristig ihrem Arbeitgeber gegenüber loyal eingestellt und motivierter.

Mag das Office in den eigenen vier Wänden auch noch so lichtdurchflutet sein – auch hier findet sich Schatten. Schließlich ist die gesteigerte Produktivität auch auf weniger Pausen und längere Arbeitszeiten zurückzuführen. Höherer Stress, Schlaflosigkeit und nicht zuletzt mögliche, von der Versicherung nicht abgedeckte, Unfälle beim Porree Schneiden sind der bittere Wermutstropfen in der Business-Lösung Homeoffice. Auch für den, der Berufliches und Privates strikt getrennt halten möchte, könnte die Arbeit von zu Hause aus zum Problem werden. Seltenere Gehaltserhöhungen und Beförderungen durch geringere Sichtbarkeit der Leistung des Einzelnen runden das Ganze dann negativ ab und machen aus der heimarbeitenden Saat der Hoffnung fast schon ein Schattengewächs.

Fazit: Homeoffice kann doch funktionieren

Was aber hört man von Expertenseite? Erstens: Wunder gibt es nicht. Zweitens: Will man sich noch ein wenig Life in der Work-Life-Balance erhalten, wird von einem dauerhaften und vollständigen Homeoffice abgeraten. Daraus folgt: Es darf vollständig sein, aber nicht dauerhaft. Temporär ist die reine Arbeit von zu Hause immer als Option in Betracht zu ziehen. Etwa in persönlichen oder gesellschaftlichen Krisenzeiten wie dieser. Und: Es darf dauerhaft sein, aber nicht vollständig. Gegen eine kombinierte Lösung, bei der der Mitarbeiter wenigstens 1-2 Tage in der Woche im Büro vorbeischneit, spricht nichts. Tatsächlich bietet sie sogar Vorteile. Und dennoch haben deutsche Unternehmen in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf. Erst vier von zehn Unternehmen bieten Mitarbeitern überhaupt die Arbeit von zu Hause an. Zeit für Veränderung.

Und so gelten die letzten Gewissheiten des Tages: Wir müssen die Krise als Chance begreifen. Manche Phrasen können auch mal zutreffen. Und mitunter braucht es chinesische Fledermäuse, um Unternehmen dauerhaft zur Flexibilität zu zwingen.

Die Zeit fürs Homeoffice ist jetzt.

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